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Dennis Da Menace

Er ist Ende 20, rappt seit über 10 Jahren und liefert jetzt sein Debütalbum ab. Als kleines Kind lernte er Geigespielen, ging später zum Jugendchor, um seine Erfüllung als DJ, Produzent und Rapper zu finden. Dennis Da Menace ist Umbrüche gewohnt – und ja er ist ein wandelnder Widerspruch, ein ganz normaler Mensch eben. Genau das macht sein Debutalbum „Quintessenz“ so interessant. Auf der einen Seite hat er dank seiner klassischen Ausbildung eine genaue Vision von dem, was er da tut, auf der anderen Seite ist er von seinen Emotionen gelenkt und folgt seiner Intuition. Er schwankt zwischen Verbitterung, Selbstreflektion und einer ihm ureigenen Wahrhalter-Attitüde, die den Charme der goldenen Ära versprüht. Dieser Widerspruch macht ihn aus. Er kann in einen Moment Rebell im Schafspelz sein, im nächsten eine quicklebendige Schnapsleiche geben und ist dabei vor allem auf der Suche nach dem Sinn, der “Quintessenz”. “Ich hab schon viel Scheiße gesehen und genug erlebt und gehe dennoch lebensfroh meinen Weg. Aber eigentlich will ich nur rappen und Beats machen, mit den Homies einen in der Kneipe trinken gehen, um das Schlechte zu vergessen.”
Sein Debütalbum hätte er im Stile einer Ein-Mann-Armee zwar komplett selbst produzieren, einrappen und einsingen können, aber er griff auf Gefährten im Geiste zurück und so produzierten unter anderem Dexter, Suff Daddy, Hulk Hodn, V.Raeter, und Sebbtember an der Platte mit. “Das war eine ganz normale Entwicklung, da ich die ganze Zeit sowieso auch selbst Beats gebaut und Raps geschrieben habe. Die Tracks mit den anderen Produzenten entstanden ganz einfach, weil ich deren Beats eh gefeiert habe und man sich bereits auch kannte.
Wer ihm zuhört, wird rasch feststellen, dass Dennis wahrhaftig genug erlebt hat, um mehrere Alben zu füllen, trotzdem lud er sich u.a. mit Maniac und Jaques Shure Brüder im Geiste auf die Platte.
“Er sagt: “Style ist alles” und “ob ich das nicht begriffen hätte?”/ Statt Gold und Silber zeige ich ihm meine neue Silbenkette”




Dexter & Maniac

Seit den Heidelberger Anfangstagen hat sich die deutsche Rapszene stark verändert. Zum Glück. Wir schreiben 2010. Deutschrap packt die Klampfe aus. Dexter und Maniac kümmern sich nicht um den neuesten Trend. Sie machen gradlinigen Rap. Zum Glück. Als sie sich vor etwa einem Jahr in einem Regensburger Freestyle-Keller kennen lernten, dauerte es nicht lange bis sich der Heilbronner Beatschmied und "der Bayer, der auf Englisch reimt" zum Gedankenaustausch trafen.
"Ich wusste damals gar nicht, dass Dex auch rappt"
, erinnert sich Maniac, der mit DJ Rufflow die Crew Demograffics bildet. Nach "Raw Shit" sollte ganz Rap-Deutschland wissen, dass der MPM-Produzent nicht nur hervorragende Beats schrauben kann (Arbeiten für Blumentopf, Morlockk Dilemma, Retrogott, Damion Davis oder Chima Anya (UK) sprechen für sich).
Ohne großes Konzept entstanden Anfang 2009 die ersten Tracks. Ein Release hatten die beiden nicht vor Augen. "Wir haben einfach drauf los gerappt. Hauptsache Beats sind geil, Flows sind geil. Raw shit, woast?". Mittlerweile sind über 40 Tracks entstanden, von denen die besten ausgewählt und jetzt veröffentlicht werden. "Raw Shit" ist kein Konzeptalbum, aber der homogene Sound der Dexter-Produktionen und die Attitude der beiden MCs knüpfen den roten Faden. Mehr noch, Dex und Ac gelingt es der Platte etwas zu geben, das man nicht planen und schon gar nicht erzwingen kann: "Raw Shit" hat einen ureigenen Flavor, ist eine Rapplatte wie aus einem Guss. "Teilweise hat Dexter mir gleich einen Beat und seinen Text dazu gezeigt und ich habe dann sofort was dazu geschrieben, während er aufgenommen hat".
Im Entstehungsprozess der Platte stellte sich immer deutlicher heraus, dass die beiden Wahl-Regensburger Seelenverwandte sind, was die Arbeiten vereinfachte und was man der Platte anhört. Mit Jaques Shure und Keno von Creme Fresh wurden zwei langjährige Partner und Freunde als Gastvokalisten verpflichtet, deren Beiträge sich homogen in die Platte einfügen.
Deutschrap will modern werden und sucht einen Weg in die Zukunft. "Raw Shit" ist der lockere Gegenentwurf zweier Rapdudes, die sich über derartige Probleme keinen Gedanken machen. Verkaufszahlen, Krisen der Industrie und Kinderbeefs spielen keine Rolle. Maniac und Dexter haben kein Geld und mit Rap verbinden sie Spaß und keine Verkaufskonzepte und Promostunts. "Raw Shit" taugt nicht für Anhänger des ewigen Gesterns, auch wenn die Produktionen knistern, klingen sie vorwärtsgewandt. "Raw Shit" steckt voller Ideen und klingt 18 Mal nach Spaß. Wenn man die Platte hört, würde man am liebsten selbst sofort anfangen zu rappen.




Jaques Shure & Dexter aka Jaq & Dex

Irgendwo an einer Heilbronner Tankstelle hängt er rum: Schelle. Arbeitslos, trinkt statt einem Bier auch gerne fünf und außer seinem Hund Rocky hat er nicht viel. Schelle ist das, was man einen Penner nennt. Leute, die vorbei gehen, ignorieren ihn. Jaques Shure und Dexter haben hingeschaut – und sich manchmal selbst wieder entdeckt.
Ihr Konzeptalbum heißt wie der Mann, dessen Geschichte sie erzählen: Schelle. Es geht um Freiheit, Unabhängigkeit, Dagegensein, aber auch um Armut, Schmerz und Versagen. Manchmal mit Wut in der Stimme, oft aber mit einem zugedrückten Auge präsentieren die beiden WORTSPORTler ihre Interpretation des „Pennerlifestyle“. Jaq und Dex sind seit über zehn Jahren im Spiel. Wenn Jaq „Hass steckt mir in den Knochen“ rappt, meint der Ex-Writer das auch so. Angefixt von Advanced Chemistry, Too Strong und RAG schrieb er Ende 90 die ersten Rhymes in sein Blackbook. 2000 releaste er mit seiner Crew, den Couchos, sein erstes Tape. 2006 traf er seinen Brother in Rhyme Dexter. Die Attitude seiner Anfangstage hat sich Jaques Shure bis heute bewahrt. Aber auch wenn er gerne zurückblickt, bleibt er deswegen noch lange nicht stehen. Dexters persönliche Rapgeschichte beginnt 1998, als er die 36 Kammern des Wu-Tang Clan betritt. Umgehend sammelt er ein paar Freunde um sich und beginnt mit ihnen als Elemental Force zu rappen und zu produzieren. Doch außer Elemental Force hat Dexter mehrere musikalische Baustellen, an denen er zugange ist. Mittlerweile hat er Morlockk Dilemma, V.Mann, Damion Davis und den halben Heilbronner Untergrund mit Beats versorgt. Vielleicht hat er sogar Recht, wenn er behauptet, dass „Produzenten reihenweise ihre Beats vernichten angesichts dieses Stückes Musikgeschichte.“ Zumindest hat Schelle seinen ganz eigenen, dreckig-soulfullen Klang, der in Deutschland lange vergessen schien.
Schelle ist die Sorte Album, die dir „Schelle links, Schelle rechts“ gibt. Bud Spencer-Terence Hill-Style. Schelle ist Straßenreporter, zeitgleich trägt er seinen „Backpack“ voller Pfandflaschen. Morlockk Dilemma, Damion Davis, Anna, Dennis Da Menace und Zeal kommen unter der Brücke auf Bier und Korn vorbei und featuren ihn. „Schelle“ erscheint am 14. November über WORTSPORT Productions/rough trade. „Seid ihr mit dem Rap, der aus der Gosse kommt?“




Fleisz

Fleisz ist zurück! 2006 veröffentlichte er sein Debüt “Das muss doch Liebe sein”. Auch wenn er erst 20 war, konnte Wortsports jüngstes Pferd im Stall damals schon mit reifen Inhalten und einem Gespür für gute Geschichten überzeugen. Von rap.de und dem mkzwo-Magazin wurde er hochgelobt, von der Backspin als hoffnungsvoller Debütant gefeiert. Doch es wurde fortan ruhiger um ihn. Fleisz zog sich zurück, schrieb aber weiter Tracks, feilte an seinen Texten und lies seine Fans ab und an mit Features, Samplerbeiträgen und Auftritten an seiner Entwicklung teilhaben. Als er 2009 zurückkehrte, war es fast so, als sei er nie weg gewesen. Sein Minialbum “Nach wie vor (Das muss doch Liebe sein)” wurde mehrere tausend Male heruntergeladen. Jetzt legt er nach. Mit “Ist zurück/war niemals da” bringt er die Dinge auf den Punkt. Denn das übergroße Ego der Konkurrenz und Game-Übernahmepläne waren nie seine Sache. Fleisz geht es vor allem um Musik mit Substanz. Jan Frazier, Heikouality (Freidenker) und eines der größten deutschen Talente am Beat, Dexter, besorgen die Produktionen. Fleisz erzählt auf ihren Beats Geschichten aus dem Leben (“Wenn Du stolperst”), nimmt sich selbst nicht zu ernst (“Bah”) und trifft dabei immer die richtigen Töne, um sein Publikum anzusprechen und Gefühle auszulösen (“Penny”). Unterstützt wird er unter anderem von Jaques Shure (Schelle). Fleisz ist Realist und zugleich ein Träumer. Fleisz erzählt gerne Geschichten, aber weiß mit seinen 24 Jahren wie das Leben spielt. Fleisz ist zurück, war niemals da. “Doch wo das hinführt, ja, das weiß man ja noch nicht/ Ich bleibe Optimist, schreib’ Dir ein Gedicht/ Du machst mich glücklich, Du bist alles für mich/ So lange Du an meiner Seite bist”.




Freidenker

Seit 1999 machen Heikouality, Gil und DJ Kaiser zusammen Musik. Durch zahllose Auftritte im ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus erspielten sich die drei eine Fanbase. Als Vorgruppe für Beginner, Massive Töne, RAG bestanden sie auch vor einem größeren Publikum. 2001 verschickten die Jungs ein Demotape an drei Plattenfirmen. 2002 wurden die Freidenker nach London eingeladen, um dort den Chef ihrer zukünftigen Plattenfirma kennenzulernen. Herbert Grönemeyer und dessen Indie-Label „Grönland Records“ boten scheinbar die ideale Heimat für die drei Schwaben. 2004 veröffentlichten sie dort ihr erstes Album „Denk-zettel“. Mit der Major-Plattenfirma „Virgin“ hatten sie einen bedeutenden Partner und mit dem Reggae-Sänger Patrice einen großen Namen als Featuregast bei ihrer Albumsingle „Glauben und Sehen“.
„Es gibt so viele Sachen, die man früh für sich selbst entdeckt und Jahre später dann an eine Masse verliert. Bei HipHop ging es uns so, dass wir diese Kultur Ende der 80er Jahre für uns entdeckten. Wir waren Teil der Jamkultur. Über die Jahre wurde HipHop immer größer, vieles hat sich verändert und dann kamen die Touristen.“
Doch trotz beachtlicher Medienpräsenz und guten Feedbacks von Fans und Kritik, fehlte den drei Musikern eine entscheidende Sache zu ihrem Glück. Bei ihrer Plattenfirma vermissten die drei Künstler die Freiheiten, die sie in den Jahren zuvor groß gemacht hatten. Statt aus ihrem Leben zu erzählen, wurden die Freidenker zum politischen Sprachrohr während des Irak-Kriegs. Die drei Freigeister fühlten sich in eine Form gepresst. Über Tage, Wochen und Monate wurden die künstlerischen Differenzen zwischen den drei Freigeistern und ihrer Plattenfirma immer größer. Auch zahlreiche Telefonate mit Herbert Grönemeyer führten zu keinem Ergebnis. Die drei Musiker drohten in den Mühlen der Musikindustrie zermahlen zu werden. Doch ehe es soweit kam, wurde das Vertragsverhältnis in beiderseitigem Einverständnis aufgelöst. Wieder brachen die Freidenker auf.
„Heikouality hatte jahrelang einen Freund, mit dem er wirklich jeden Abend gechillt hat. Es war fast schon eine Tradition. Von der einen Woche auf die nächste hat dieser Freund seinen VW-Bus vollgepackt und entschieden, weit weg zu ziehen. Für ihn ist dieses Lied.“
Fünf Jahre später sind die Freidenker wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Statt London heißt es nun wieder Heilbronn. Statt über große Politik rappen Gil und Heikouality wieder über ihr Leben.
„Als ein Freund nach sieben Jahren seine Beziehung beendete, rief er mich direkt danach an. Ich konnte das zunächst nicht verstehen. „Du machst den Fehler deines Lebens“, prophezeite ich. Aber es sprachen eben auch 1000 Gründe gegen diese Beziehung. Direkt nach dem Telefonat setzte ich mich hin und schrieb den Text. Wie soll man sich in so einer Situation entscheiden? Geh auf Anfang – aber die Gegenwart kann man eben auch nicht verdrängen.“
Auf den 15 Tracks ihres zweiten Albums schlagen die drei Freidenker aus dem Heilbronner Wortsport Camp eine Brücke zum Zuhörer. Sie werden von einem Album in den Bann gezogen, in dem textlich als auch musikalisch ungeheuer viel Seele steckt. Die Erzählungen der Freidenker sind frei von Fiktion und weder was für Handylautsprecher noch für Klingeltoncharts. Ihre Texte sind ehrlich und gehen dahin, wo’s weh tut und weiter. Wie so viele haben auch Heikouality, Gil und DJ Kaiser schon einmal die Liebe verloren, aber nie den Glauben an das Gefühl, das sie einerseits beim Musikmachen inspiriert, anderseits im Alltag oft blockiert. Die Freidenker sind auf der Suche nach dem größten Gefühl, wozu der Mensch fähig ist. Auch wenn es kitschig klingen mag: In der Musik haben sie es gefunden. Das hört man.




Jaques Shure



Dexter



Jan Frazier (Prod.)



HGN (Prod.)



Steve Unique (DJ)



Brad Pitch (DJ)



Couchos (CO)

Dabei sind sie seit 1993. Sie wussten nichts voneinander und teilten dennoch dieselbe große Liebe – HipHop. Sie fanden sich im August 1998 zusammen und gründeten die Crew. Sie teilten sich den Braten als drei MCs und ein DJ. Sie nannten sich Couchos und zelebrierten und feierten HipHop Musik mit mehr Hingabe und Leidenschaft als Sex.Und heute? Heute gibt es sie immer noch, sie sind big im Business. Sie stehen auf Bühnen, im Studio und noch immer auf Rap. Jaques Shure, Max Maraboo und Angry Allan sind immer noch 100% Couchos. Ihr Output lässt sich nicht in Schubladen pressen. Vielmehr besitzen sie Schubladen – voll Geschichten aus dem Leben, dem Struggle mit sich selbst, der Jugend, dem Staat, HipHop. Ihre Songs sind Statements und zeigen bei allem Widerspruch verdammt viel Liebe fürs Game. Und sie haben eine Vision für Deutschrap im Herbst 2007: der „Deutsche Herapst“ kommt.Und morgen? Morgen werden sie immer noch da sein. Denn sie bleiben ihrer Linie treu und glauben dem Hype nicht. Man sagt: Wenn es am Besten ist, soll man aufhören. Ans Aufhören jedoch denkt niemand – genauso wie beim Sex.